Denim: Gegenwart und Zukunft

Jeanious
Jeans gelten als demokratisches Kleidungsstück, doch neben ihren kleidsamen Eigenschaften schaffen sie es aktuell, aufgrund von umwelt- und gesundheitsschädigenden Produktionen in negative Schlagzeilen zu geraten. Welche Zukunft steht dem ‚jeanialen' Textil bevor? Wir wagen eine Prognose.
Das riskante Spiel mit der Nachhaltigkeit
Der Nachhaltigkeitsgedanke beschäftigt bereits seit einigen Jahren eine Vielzahl von Denimproduzenten und -marken sowie Bekleidungshersteller. Einer, der sich besonders mit wasser- und umweltschonenden Denimveredlungsmethoden beschäftigt ist der Erfinder des Stonewash-Verfahrens, François Girbaud. Leidenschaftlich widmet er seine Arbeit diesem Aspekt: „Wir beabsichtigen mit Laser- und Ozoneinsatz jährlich 420 Mio. Kubikmeter Wasser, 900.000 Tonnen an Chemikalien und sechs Milliarden Kilowatt einzusparen. Jedes Jahr setzen sich zwei Mio. Arbeiter weltweit durch Handarbeit gesundheitsschädlichen Gefahren aus. Es ist eine Frage des Überlebens. Die Ressource Wasser muss für Folgegenerationen erhalten werden.“
Ethische Maßnahmen
Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich die Mehrheit der Unternehmen von umweltbelastenden und menschenunwürdigen Produktionsabläufen distanziert. „Seit Jahren unterhalten wir keine Eigenproduktion mehr. Insofern sind wir diesbezüglich auf unsere Lieferanten angewiesen. Wir arbeiten deshalb nur mit seriösen Unternehmen zusammen, die sich klar verpflichten, unseren ‚Code of Conduct‘ einzuhalten, der ethisch saubere Produktionsbedingungen vorsieht“, erklärt Heiner Sefranek, Inhaber von Mustang aus Künzelsau. „Aufgrund der hohen Anforderungen, die wir an uns und unsere Lieferanten stellen, können wir unsere Jeans nicht überall auf der Welt, sondern nur gezielt und in bestimmten Ländern produzieren. Das bringt uns zwar Nachteile im Vertrieb, repräsentiert aber gleichzeitig die Wertigkeit und Glaubwürdigkeit der Marke H.I.S“, so Wolfgang Sahm, geschäftsführender Gesellschafter H.I.S Textil GmbH.
Aufklärungsarbeit muss sein
Kann sich der Endverbraucher auch mit den hohen Baumwollpreisen anfreunden, die seit Monaten Gesprächsthema in der Textilbranche sind? Wird er die damit verbundenen Preiserhöhungen akzeptieren? Er muss. Auch wenn viele Webereien und Unternehmen auf alternative Beimischungen wie Tencel, Lyocell, Wolle sowie recycelte Baumwoll- oder Polyesterfasern setzen, bleibt Baumwolle die Grundlage der Denimproduktion. Viele Konsumenten können bisher nicht viel mit dem Begriff Nachhaltigkeit bei Textilien anfangen. Die aktuelle Timescout Jugendtrendstudie, in der 1.200 Jugendliche und junge Erwachsene von elf bis 39 Jahren aus sechs deutschen Großstädten befragt wurden, was sie mit dem Begriff Nachhaltigkeit verbinden, legt dar, dass soziale und ökonomische Aspekte im Nachhaltigkeitsbild der jungen Deutschen eine untergeordnete Rolle spielen. Einer von zwei Befragten behauptet, dass sich nachhaltiges Handeln im Alltag als kompliziert darstellt. 85 Prozent finden es schwierig nachzuvollziehen, ob ein Produkt umweltfreundlich hergestellt wurde. Zudem wird eine umweltbewusste Lebensführung von einer 2/3-Mehrheit als teures Vergnügen wahrgenommen. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit von Nöten, nicht nur, aber erst recht von den textilen Marken.
Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Galerie Canesso, Paris.
// Deniz Trosdorff
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TM No. 06 | Mai 2013
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