Umwelt- und Sozialstandards steigen

Naturtextilien werden heutzutage mit kritischem Blick betrachtet. Die Tatsache, dass sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, heißt noch lange nicht, dass man sie umwelt- und sozialgerecht fertigt. Wir sprachen mit Heinrich Freitag. Dem Geschäftsführer der seit 14 Jahren stattfindenden Innatex, der wohl größten internationalen Messe für das Segment.

Naturtextilmode galt in früheren Jahren vielfach als ,ökig' und nicht modisch. Wie hat sich der Grad der Mode bezogen auf das Angebot der Innatex verändert?
Die Naturtextilmode hat sich in den letzten Jahren stetig verändert. Vieles hat mit der gesteigerten Nachfrage auch bei jüngeren Kunden zu tun. Auf unserer Messe können wir daher rückblickend auf die letzten zehn Jahre eine stete Entwicklung der einzelnen Aussteller hin zu aktueller Mode beobachten. Nicht zuletzt auch die gestiegene Nachfrage der GreenFashion im Bereich der jungen Mode hat vieles dazu beigetragen. Viele der trendigen Szene-Labels wissen mittlerweile die Innatex als Orderplattform für ihre Kollektion zu schätzen. Dies haben wir mit der Einführung der ‚DesignDiscoveries’ besonders forciert. So erhöhen wir sowohl die ökologische als auch die modische Qualität der Angebotspalette auf der Innatex stetig.

Wie hat sich der Einfluss der Verbraucher im Vergleich mit der Vergangenheit geändert?
Der Einfluss hat sich stark erhöht. Die Endverbraucher sind heutzutage informierter. Auch das Internet trägt einen großen Teil dazu bei. Viele Konsumenten frequentieren die Seiten der NGOs und sonstigen Umwelt- und Sozial-Organisationen via Social Media wie Facebook und Twitter und sind so direkt mit ungefilterten Informationen versorgt. Dies führt auch zu einer immer besseren Vernetzung der Akteure und daraus resultiert eine größere Verbrauchermacht.

Welche Bedeutung haben Fragen der sozialen Verantwortung bei der Beschaffung von Bekleidung?
Gerade im Bekleidungssektor hat die Frage der sozialen Verantwortung eine enorme Bedeutung erlangt, da die Herstellung eines großen Teils der weltweiten Textilproduktion nach wie vor in Entwicklungs-und Schwellenländern stattfindet. Die Wertschöpfung jedoch findet bei den Marken-Inhabern in den Industrienationen statt. Oft wird auf Kosten der Bauern, Baumwollpflücker, Spinner, Weber, Schneider und Färber Profit gemacht. Soziale Standards werden bei vielen konventionellen Marken außer Acht gelassen. Im Green Fashion Bereich steht der Anspruch nach sozialer Verantwortung mittlerweile nahezu gleichberechtigt neben dem der umweltverträglichen Produktion.

In welcher Weise stärken Sie den Trend zu ökologischer Bekleidung?
Begleitend zur Messe veranstalten wir schon seit vielen Jahren unser Fachforum mit verschiedensten Vorträgen und Workshops für unsere Besucher und Aussteller. Neben handelsrelevanten Themen für den Einkäufer stehen auch Workshops zu Zertifizierungen oder reiner Faserkunde dem Interessenten kostenlos zur Verfügung. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft IVN e.V. ist seit Anbeginn der Messe Schirmherr. Mit einem Informationsstand steht er dem Fachpublikum während den Messetagen für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

// Interview Rainer Schlatmann

 

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