„Begehrlich bleiben“

Drykorn zählt derzeit zu den angesagtesten Marken der Branche und glänzt mit rasanten Wachstumsraten. TM sprach mit Drykorn Gründer Marco Götz über Anfang, Strategie und Perspektive des Labels.

 

TM: Drykorn hat sich in kaum mehr als zehn Jahren vom Spezialisten für Herrenhosen zu einem Komplettanbieter für Damen und Herren gemausert. Wie ist es Ihnen gelungen, in so kurzer Zeit die unterschiedlichsten Warengruppen erfolgreich zu besetzen?
Wir haben ja nicht mit allen auf einmal begonnen. Am Anfang stand eine klassische Wollhose für Jungs. Zu der Zeit gab es eigentlich nur Jeans im Markt, aber wir haben die ersten technischen Qualitäten aus der DOB genommen und daraus Hosen für Männer gemacht. Was wir da alles eingesetzt haben, waren wirklich modische Verbrechen an der Menschheit. Die Kunden waren teilweise kritisch, aber der Abverkauf war sehr gut. Bald darauf haben wir Damenhosen ergänzt, das wurde uns von der Kompetenz her auch abgenommen. Ein paar Jahre später haben wir mit Sakkos und Anzügen weitergemacht, eine Saison darauf mit Damenblazern. Es folgten Mäntel, und das ging auch noch, weil alles von den Produktionsanforderung und den Bedingungen gleich war. Erst dann folgten Artikel, die wir zunächst unter dem Subbrand After Six entwickelt haben.

Spielen die maskulinen Wurzeln von Drykorn heute überhaupt noch eine Rolle?
Wir machen inzwischen rund 65 Prozent unseres Umsatzes mit Damen, und das schon seit längerer Zeit. Herren haben seit einigen Saisons wieder ein wenig nachgezogen, aber als wir bei den Damen vor zwei, drei Saisons alle Artikelgruppen ergänzt haben, haben diese noch einmal einen Schub bekommen. Wir sind in vielen Bereichen gut, nicht unbedingt Marktführer in jeder Produktgruppe, aber zumindest sehr tief drin. Außerdem ist es immer am besten, wenn man nicht in irgendeine Schublade gesteckt wird. Nur dann hat man die Möglichkeit frei zu agieren.

Und das kann Drykorn?
Die Modetendenzen und Entwicklungen, die wir bisher mitgemacht haben, waren schon sehr kontrovers. Kompetenz in den Warengruppen wollen wir natürlich zeigen und suggerieren, bei uns vor allem bei Hosen. Speziell in der DOB haben wir die unterschiedlichsten Anteile von Hosen verkauft. Mal hatten wir einen sehr hohen Anteil an Wollhosen und Denim, dann hat es sich zu Baumwollhosen verschoben, dann wieder Denim, aktuell ist nur die Baumwollhose da und Denim relativ klein. Für den nächsten Winter wird sich dies wieder ein wenig verschieben. Denim wird stärker werden, Wolle ihren Anteil erhalten und Baumwolle zurückgehen, weil die Zyklen des Konsumentenbedarfs sich entsprechend verhalten. Wenn ich dann nur bei Cargohosen extrem gut bin, geht’s mit mir natürlich auch bergab, sobald der Trend abflacht. Daher ist es notwendig, sich eine gewisse Grundflexibilität zu erhalten. Dazu gehört aber auch, dass man seinen eigenen Markt ein wenig reguliert.

Wie soll das denn gehen?
Indem man nicht an jeden und auch nicht in jeder Menge verkauft, sondern versucht, das richtige Volumen von den einzelnen Tendenzen im Markt zu halten. Der Handel ist Ihnen gar nicht so dankbar, wenn es immer alles noch einmal gibt. Es ist viel besser auch mal sagen zu müssen: „Sorry, das ist jetzt ausverkauft, es gibt eine neue Tendenz, an die wir glauben, geh lieber da drauf.“ Nach einer gewissen Zeit hat man den Kunden auch so weit, dass er die Tendenz annimmt. So avantgardistisch sind wir jetzt auch nicht, dass wir den Händlern eine Hose mit drei Beinen andrehen wollen. Klar gibt’s auch Dinge, die nicht so funktionieren, doch das Vertrauen unserer Kunden ist grundsätzlich vorhanden.

Sind Lizenzen denn ein Thema für Drykorn, zum Beispiel Schuhe?
Ganz ehrlich, über Schuhe haben wir uns schon ein paar Mal mit verschiedenen Leuten unterhalten. Ich bin aber selbst ein wenig schuhaffin und die Schuhe, die ich zu unseren Kollektionen machen würde, würden wahrscheinlich so teuer werden, dass wir sie nicht verkaufen könnten. Es stattdessen einfach aus der Hand zu geben und dann zu sehen, dass da einer etwas macht, was mir nicht gefällt, geht aber auch nicht. Ich selbst kaufe auch nur Schuhe von Schuhmarken. Wenn es ein Angebot von traditionellen Herstellern gibt, die das Handwerkliche und die Qualität rüber bringen, dann kaufe ich das Original. Bei den ganzen Red Wing Kopien frage ich mich schon, ob es für mich Sinn macht, wenn wir auch noch versuchen einen Worker Boot zu machen. Für Frauen wird’s noch schwieriger. Deshalb sind Lizenzen nichts, was uns aktuell unter den Nägeln brennt.

Dafür ist der Onlineshop ein Zukunftsprojekt?
Mit dem Onlineshop haben wir am Anfang auch Lehrgeld gezahlt. Schließlich sind die Gewichtung der Ware von den Größen, von den Sortimenten und der optischen Darstellung her zunächst einmal Unbekannte. Wie bekomme ich Aufmerksamkeit für den Shop, was kaufen die Kunden gezielt, aus welchen Gebieten wird was gekauft – das ist ein permanenter Optimierungsprozess. Nach gut einem Jahr sind wir aber deutlich weiter als geplant, der Onlineshop läuft jetzt und hat inzwischen eine gute Umsatzgröße erreicht.

Werden denn Online-Plattformen von Drykorn bedient?
Wir arbeiten nicht mit Online-Plattformen, die für die breite Masse konzipiert sind, sprich wo sich Marke an Marke reiht und es keine klare Abgrenzung zwischen den preislichen Segmenten gibt. Dennoch arbeiten wir mit Asos aufgrund der Möglichkeiten, die diese Plattform für uns bietet. Die Strahlkraft von Asos in anderen Ländern heißt auch andere Kunden dort zu erschließen.

Wäre es für Drykorn nicht langsam an der Zeit für eine große Fashionshow, vielleicht sogar in New York?
Das könnte man machen, aber so eine Show ist ja auch eine enorme Herausforderung. Unser Team ist ja eher überschaubar, für so ein Event fehlt uns wohl die Manpower. Außerdem stellt sich die Frage nach dem Wann und Wo. Eventuell in Berlin, während der Fashion Week? Wen hast du dann als Konkurrenz? Was gibt es für Alternativen? Und was kostet uns das? Ich denke, wir gehen lieber Stück für Stück voran und konzentrieren uns darauf, tolle Produkte zu machen – das ist für unsere Kunden sinnvoller.

// Hanns Hönnekes

Auszug aus der Drykorn Kampagne Sommer 2012

 

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